• Lina

Musst du dein Kind für die Eingewöhnung abstillen?

Natürlich nicht!


Diese Frage wird mir häufig von verunsicherten Eltern gestellt, weil es nach wie vor einige pädagogische Fachkräfte gibt, die Eltern genau das sagen!

"Sie müssen ihr Kind vorher abstillen, sonst wird die Eingewöhnung schwerer!" - Das ist absoluter Schwachsinn! Du musst gar nichts...


Ich würde gerne wissen, woher sich Erzieher*innen diese Information nehmen? Wie kommen sie darauf? Ich glaube es liegt daran, dass oftmals tiefergreifendes Wissen über die kindliche Entwicklung, Bindungstheorie und Entwicklungspsychologie fehlt. Denn Kinder sind soziale Wesen: Sie wollen Beziehungen zu anderen aufbauen, nicht nur zu den Eltern! Und sie machen das auch, während sie z.B. noch gestillt werden oder eine kuschelige Einschlafbegleitung erhalten.


Natürlich ist die Beziehung zu den Eltern meistens tiefer und stärker, ist ja logisch. Und oftmals (aber nicht immer) ist die Bindung zur Mutter am stärksten - je nachdem, wer zu Hause die meiste Zeit (qualitativ) mit dem Kind verbringt.


Kinder können zu mehreren Menschen eine Bindung aufbauen. Diese Bindungsbeziehungen sind hierarchisch. Aber ein Kind kann zu mehreren Personen eine Bindungsbeziehung aufbauen. Wenn bei einem Familienfest dein Kind hinfällt und weint, dann kann es sein, dass dein Kind nur von dir getröstet werden will. Das mag daran liegen, dass es gute Erfahrungen mit dir und deiner Reaktion auf Schmerzen gemacht hat. Dein Kind weiß , dass es bei dir sicher und gut aufgehoben ist.


Damit ein Kind Beziehung aufbaut, muss es eine Verbindung zur anderen Person herstellen. Ohne Verbindung keine Beziehung. Und Verbindung zu Kindern baut man z.B. durch einen empathischen und freundlichen Umgang mit Kindern auf. Durch Spielen. Durch Vorlesen, basteln und gemeinsam Spaß haben. Ich als erwachsene Person muss mich auf die Ebene des Kindes begeben und Kontakt aufbauen. Ich lächle ein Kind z.B. an und biete dem Kind freundlich ein Puzzle an. Wenn das Kind sich noch nicht traut, zum Elternteil geht, dann ist das vollkommen okay. Immerhin soll das Kind ja nicht jeder Person auf Anhieb vertrauen.


Ein Kind muss sich durch die Reaktion der Eltern erst einmal absichern, ob die neue Person vertrauenswürdig ist. Wenn jetzt die Mama noch mit mir lacht und beim Puzzle mitmacht, dann ist das Eis gebrochen und einem Verbindungsaufbau steht nichts mehr im Weg.


Pädagogische Fachkräfte müssen über die Eltern in Verbindung mit dem Kind treten. Indem ein Kind sieht, dass MaPa mir als Erzieherin vertrauen fängt es an die Aufmerksamkeit auf mich zu richten.


Es ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft die Beziehung zu einem Kind aufzubauen.

Es ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft das Eis zu brechen und Vertrauen aufzubauen.

Es ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft in Verbindung mit dem Kind zu treten.

Es ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft, dass sich das Kind sicher und geborgen fühlt.


Und dafür musst du liebe Mama nicht abstillen! Du musst auch nicht die Einschlafbegleitung verändern und du musst dein Kind auch nicht ins Kinderzimmer verfrachten, damit dein Kind lernt selbstständiger zu werden.


Das sind veraltete und falsche pädagogische Denkweisen, die heute überholt sind. Wir wissen es heute besser und daher sage ich es dir jetzt auch so deutlich: DU bist nicht für den Beziehungsaufbau zwischen deinem Kind und der pädagogischen Fachkraft zuständig. Du kannst diesen Aufbau unterstützen, indem du deinem Kind zeigst, dass der/die Erzieher*in xy nett und vertrauenswürdig ist. Aber du musst dafür nichts (!) an der Beziehung zu deinem Kind verändern.


Wenn dir jemand erzählen will, dass Stillen oder ein Familienbett, Tragen, kuscheln usw. falsch sei, da sich ein Krippen- oder Kindergartenkind von seinen Eltern ablösen muss, dann kennt diese Person sich recht wenig mit der Bindungstheorie und Entwicklungspsychologie aus oder möchte sich nicht auf dem aktuellsten Stand halten. Dann weißt du woran du bist bzw. wie das Bild vom Kind ist.


Kinder können Beziehungen zu anderen aufbauen, auch wenn sie gestillt werden. Vor allem bei so großen Lebensabschnitten wie der Eingewöhnung ist ein Weiterstillen sogar von Vorteil, weil es Gewohnheit und Sicherheit schenkt. Weil es das Kind beruhigen kann. Gleiches gilt für die Einschlafbegleitung.


Du musst dich doch auch nicht von deiner Freundin emotional distanzieren, um neue Freundschaften zu knüpfen...

Erzieher*innen, die denken, dass gestillte Kinder Probleme bei der Eingewöhnung haben, denken vermutlich auch, dass eine enge Bindung zwischen Eltern und Kind nicht gut sei. Weil sie denken nur so werden Kinder selbstständig. Sie wissen oder glauben nicht, dass Kinder durch unsere Begleitung (Co-Regulierung) selbstständig werden. Sie wissen nicht, dass Kinder sich sicher fühlen müssen, um zu lernen und ihre Umgebung zu explorieren. Sie verstehen die Relevanz von Bindung nicht.


Leider!


Dahinter steckt oft auch ein "Kinder dürfen nicht verwöhnt werden" oder ein "Da müssen sie durch". Da stecken alte, harte Erwartungen dahinter und wenig Verständnis für die Emotionen und Gefühle eines Kindes.


So, jetzt habe ich wieder viel zu viel geschrieben, um dir eigentlich nur zu sagen:


IHR MÜSST NICHTS AN EURER BEZIEHUNG FÜR DIE EINGEWÖHNUNG VERÄNDERN!


Im Gegenteil, bitte verändert vor und nach einer Eingewöhnung erst mal gar nichts, da die Eingewöhnung (neue Räume, neue Kinder, neue Bezugspersonen, neue Abläufe, neue Regeln, neue Strukturen, einer neuer Tagesablauf, Trennung von MaPa usw.) schon Veränderung genug ist.


Lasst euch diesbezüglich nicht verunsichern. Stillt, gebt die Flasche, tragt, bleibt im Familienbett, kuschelt, verwöhnt, tröstet so viel ihr wollt!


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